Das Badener Lehrstück vom Einverständnis<br />(Wien)

von Bertolt Brecht.

31. Mai bis 2. Juni & 24. Juni 2012,
Schlosstheater Schönbrunn, Wien.

Spiel:
Katharina Breier,
Bela Bufe,
Tinka Fürst,
Alexandra Gottschlich,
Florian Haslinger,
Laurenz Laufenberg,
Bastian Parpan,
Michaela Schausberger,
Benjamin Pussehl,
Konstantin Shklyar,
Johanna Wolff.

Bau:
Klaus David Erharter,
Lars Maué,
Michael Moritz,
Nadja Ponsold,
Arne Vogelgesang,
Markus Wagner,
Ines Wessely,
Christoph Wirth.

Eine Videoaufzeichnung der Arbeit können Sie bei uns anfordern.

(siehe auch Leipziger Lehrstück)

Bertolt Brechts „Badener Lehrstück vom Einverständnis“ ist eine musikalische, harsche Aufstel­lung zu technischem Fortschritt und Selbstaufgabe am Beispiel einer abgestürzten Ozeanüberfliegung. Der in der ersten Fassung von 1929 nur „Lehrstück“ betitelte Text begründete die gleichnamige Gattung, deren Merkmale Brecht in den kommenden Jahren weiterentwickelte. 2012 erarbeiteten wir das Stück in zwei Fassungen für Bühnenräume. Nach einem zweimonatigen Arbeitsprozess mit Schauspielstudierenden in Wien konfrontierten wir es mit dem barocken Schlosstheater Schönbrunn, in Leipzig brachten wir es nach knapp drei Wochen Arbeit mit Schüler/innen im Alter von 12 – 17 Jahren im LOFFT zur Aufführung. In beiden Fällen nutzten wir Prinzipien des Clownsspiels für die Interaktion mit dem Publikum, das im Stück die Rolle der „Menge“ übernimmt.

Während das größere Ensemble in Wien alle Figuren des Stücks in ständigem flüssigen Wechsel besetzte, übernahm in Leipzig ein Chor von Dummy-Puppen die Rolle der Gestürzten. Möglich war dies durch geschnittene und komponierte Tonaufnahmen der Spieler/innen, die – das Prinzip des technischen Chors aus unserer Arbeit an Mauser aufnehmend – in den einzelnen Szenen zugespielt wurden. In Wien nahm dagegen die musikalische Ausarbeitung des Stücks einen größeren Stellenwert ein, für zahlreiche Szenen wurde Musik neu komponiert, die zwischen christlicher Rockoper, Kärntnerlied und Musical changierte. Ein Ensemble von elf Clowns kämpfte mittels Trapez, Zirkusband und einer übergroßen Clownspuppe, die mit einer Motorsäge zerlegt wurde, rollenwechselnd abwechselnd mit dem Stück, dem Theater und dem Publikum. Ebenso war die Bühnengestaltung aufwendiger, von den Spieler/innen frei bewegliche Bühnelemente bildeten Zuschauerpodeste und eine kleine Bühne auf der Bühne, hinzu kamen bewegliche Projektionswände für den Einsatz von Live-Video.

Den Räumen und Situationen der jeweils Spielenden entsprechend arbeitete sich die Wiener Inszenierung mittels mimischen, artistischen und musikalischen Readymades an der Beziehung zu einem schauspielerisch zu unterhaltenden Schau-Publikum ab, die Aufführung in Leipzig hingegen legte mehr Gewicht auf gestische Übersteigerungen von Lehrer- und Schülerverhaltensmustern und an einer pädagogischen Haltung dem Publikum gegenüber. An den verwendeten Puppen konnten dabei die stückimmanenten Diskussionen über Gewalt, Tod und Menschlich­keit demonstriert werden. Für uns war das Verhältnis zum Publikum in ihren Einschränkungen durch dedizierte Theaterräume wesentlicher Gegenstand der Arbeit am Lehrstück. Auch die Entscheidung, dieses Stück über das Sterbenlernen mit jungen Lernenden für ein im Schnitt älteres Publikum zu bearbeiteten, gehörte dazu.